Flamenco JALEO

  • "Kaisersaal", Bürgerhaus Sonnenberg König-Adolf-Straße 6 Wiesbaden, HE, 65191 Germany

Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden. Rezensionen zur Veranstaltung.
Zusätzlich haben wir für Sie den Abend auf unserer Galerieseite in Bildern
zusammengefasst.

Der Flamenco entstand, ähnlich dem Blues der Schwarzen, in einer Zeit der Unterdrückung und des Hungers. Die Erinnerung daran prägt die Kunst derer, die sich dem Schicksal mit geballter Kraft entgegen werfen. „Damit die Lebenskraft in der Asche glüht, mach dich hörbar, damit die Kraft der Seele in deinem Körper blüht.” (Unbekannter Flamencodichter)

Gitanos wurden verfolgt und waren, wenn sie sich weder taufen lassen noch ihre Sitten ablegen wollten, von Inquisition und Zwangsarbeit bedroht. Trotzdem wollten viele Gitanos weiterhin ihre Traditionen pflegen. Ein Teil flüchtete in die unwegsamen Berggegenden Andalusiens; sie lebten als Wegelagerer von Diebstählen und Schmuggel. Ein anderer Teil lebte in den „Gitanerías“, ghettoartigen Siedlungen, in unvorstellbarer Armut. In diesen Slums, abgeschlossen von der spanischen Bevölkerung, entstand der verzweifelte Flamencogesang. In ihm lag scheinbare Erleichterung und er wurde zum Lebensstil und zur Weltansicht der Gitanos. Der Flamenco drückt sowohl explosive Lebensfreude und Rebellion als auch Schmerz, Not und tiefe Verzweiflung aus. Er entwickelte sich sozusagen aus der Verbindung der Musikkultur der Gitanos mit der spanischen Folklore als auch jener aus den amerikanischen Kolonien Spaniens.

El Cante
Flamenco, wie wir ihn heute kennen, mit viel Musik und Tanz, bestand im Ursprung nur aus dem vollkommen eigenständigen Gesang („Cante“) ohne Begleitung. Er ist das dem europäischen Ohr fremd klingende, aber wichtigste Element im Flamenco. Die Stimme eines Flamencosängers - „Cantaór“, „Cantaora“ die Sängerin - ist nicht unbedingt schön. Sie will nicht gefallen, sondern „zerfetzt sich“ im Ausdruck innerster Gefühle. Früher wurde der Cante bei der Arbeit, in der Schmiede, auf dem Feld, im privaten Kreis und in der Einsamkeit der Nacht gesungen, um sich vom Schmerz des Ausgeschlossenseins zu befreien. Er war aber auch Ausdruck gemeinsamer Freude bei Zusammenkünften und vor allem natürlich bei Festen.

El Baile
ist ein Solotanz, entstanden aus dem Gesang. Er imitiert keine Handlung, veranschaulicht kein Thema. Es gibt ein besonderes Moment der Stille und des Innehaltens, in dem sich der Tänzer, die Tänzerin ganz konzentriert und spannungsvoll nach innen wendet.
Die reinen Flamencostile sind ursprünglich Solotänze; nur in diesem Rahmen können sie sich zu dem entfalten, was Flamenco ist: Ausdruck introvertierter Innerlichkeit eines Individuums und seiner inneren Spannung. Nur als Solist kann der Künstler innerhalb einer vorgegebenen Struktur seiner eigenen Improvisation, seiner eigenen Kreation Raum und Gestalt geben, nur so kann der „Duende“, geheimnisvolles Geniekonzept spontaner Inspiration der Flamencowelt, sich seiner bemächtigen. Nie darf ein Tanz, besonders dann nicht, wenn er zu den tiefen, leidvollen Stilen gehört, zu große Bewegtheit zeigen. Mit Respekt vor dem Cante stellt sich der Tänzer – sensibel interpretierend – ganz auf die jeweilige Stimmung des Gesangs ein. Er hält geschickt die Spannung zwischen langsam und schnell, traurig und freudig, Ausdruck und Eindruck, zwischen sich und seinen musikalischen Begleitern. Er hat etwas sehr Wahrhaftiges; komplizierte Technik wird nicht um ihrer selbst willen, Bewegungen werden nicht nur der Schönheit wegen ausgeführt. Flamenco will nicht gefallen, sondern Gefühle wie Zorn, Leid, tiefe Verzweiflung oder auch Liebe und in einigen Tänzen pure, sprühende Lebensfreude ausdrücken.
Der Baile ist aus dem Rhythmus geboren, geprägt von indischen Einflüssen, aber auch von den Tänzen der Andalusier, die im 16. und 17. Jahrhundert auf den Volksfesten getanzt wurde. Erst in der Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Gitanos konnten sich schmucklosere Tänze entwickeln. In den Cafés cantantes entwickelte der Baile sich weiter, vor allem in der Gewohnheit, die Füße zur Perkussion einzusetzen. In Indien wurde barfuss getanzt und um die Fesseln gebundene Glöckchen erzeugten den Klang. Der Flamenco dagegen wird, zumindest heutzutage, mit Schuhen, die an den Absätzen und den Spitzen mit Eisennägeln beschlagen sind, getanzt.
Auch in der Armführung zeigt sich der indische Einfluss. Sie ist keine Verzierung, sondern Ausdruck von Gefühlen. Die Kastagnetten, entgegen dem Klischée, gehörten ursprünglich nicht zum Flamenco, sie kamen erst durch die Volkstänze dazu.

El Toque
Seit dem 19. Jahrhundert wird das Gitarrenspiel in den Cafés cantantes zur Gesangs- und Tanzbegleitung eingesetzt. Davor wurde vor allem mit rhythmischen Perkussionsinstrumenten, zum Beispiel der Rahmentrommel, begleitet. Die Gitarrenbegleitung bestand zu Beginn nur aus einer einfachen, auf e-moll aufbauenden Akkordfolge. In den Cafés cantantes gewann die Instrumentalbegleitung stark an Wichtigkeit, denn sie konnte den rauen Gesang glätten und ihn an die Ohren des Publikums anpassen, die nicht an die Kleintonintervalle der orientalischen Musik gewöhnt waren. Der spanische Literat und Philosoph Federico García Lorca meint, daß die Gitarre den Cante europäisiert habe. Andererseits hat jedoch auch der Gesang das traditionelle Gitarrenspiel orientalisiert.
Durch ihre besondere Bauart bekommt der Ton der Flamencogitarre einen perkussiven Charakter. Sie spricht schneller an, klingt aber auch nicht so lange nach und ihr Ton wirkt „flacher“, nicht so voluminös wie eine Konzertgitarre.

Quellen:
Bernard Leblon, Flamenco. Palmyra-Verlag, Heidelberg 2001
Flamenco. Gitano-andaluz, hg. Von Claus Schreiner. Fischer, Ffm. 1985
Anja Vollhardt, Flamenco, Kunst zwischen gestern und morgen, Kunstverlag Weingarten GmbH

Tanz und Kastagnetten: Gaby Herzog

Gaby Herzog, geboren in Chile und aufgewachsen in Peru, kam 1985 nach Deutschland um Querflöte zu studieren und entdeckte hier ihre Leidenschaft für Flamencotanz und Kastagnettenspiel. 1993 gründete sie die Flamencoschule JALEO, die heute ca. 170 SchülerInnen hat. Gaby Herzog führt seit 2002 die deutsche Vertretung der Asociación Cultural Emma Maleras aus Barcelona. Die absolvierten acht Prüfungen nach der Methode von Emma Maleras berechtigen sie zum Unterrichten dieser Methode hier in Deutschland. Neben ihrer Unterrichtstätigkeit an der eigenen Schule und als Gastdozentin in verschiedenen deutschen Städten tritt Gaby Herzog regelmäßig als Flamencotänzerin auf.

Flamenco-Schule "Jaleo" in Wiesbaden

Gesang und Gitarre: Albert Peter „Albi“

Albert Peter studierte Gitarre, Flöte, Komposition und Früherziehung in Mainz und Frankfurt, später absolvierte er auch eine Gesangsausbildung. Seit vielen Jahren leitet er seine eigene Musikschule in Mainz-Gonsenheim, wo er Kinder und Erwachsene unterrichtet. Albert Peter ist Gründungsmitglied und Leiter der Gruppe Semilla – música mediterránea – mit  eigenen Kompositionen und traditionellen Lieder mit Harfe, Gitarre, diverse Flöten, Percussion und Gesang. Im Bereich Flamenco begleitet er die Gruppe JALEO. In seinem eigenen Tonstudio hat Albert Peter schon mehrere CDs eingespielt.
Er ist Komponist vieler Lieder, einiger Flötenbücher und diverser Auftragsarbeiten.

Gitarre: John Opheim

Der US-Amerikaner John Opheim ist mit 16 Jahren nach Deutschland gezogen und entdeckte in dieser Zeit auch seine Leidenschaft für die Flamencogitarre. Er hatte Unterricht bei David Albert, Frank Ihle, Gerardo Nuñez, Tino van der Sman, Jerónimo Maya, Michio Woigardt und Rafael Cortés. John unterrichtet Gitarre, begleitet den Unterricht in mehreren Flamencoschulen im Rhein-Main-Gebiet und tritt regelmäßig als Solist und Begleiter auf.

Percussion: Ulrike Schäfer „La Pepa“

Ulrike Schäfer studierte Schlagzeug am „Peter-Cornelius-Konservatorium“ und an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Sie ist diplomierte Musiklehrerin und besitzt die Orchesterreife. Sie hatte Cajón-Unterricht bei Conny Sommer, Alfonso Román und Ricardo Espinoza. Ulrike unterrichtet sowohl Cajón als auch alle anderen Arten von Schlaginstrumenten. Sie begleitet schon seit 10 Jahren die Auftritte von JALEO.

Karten an der Abendkasse: 18,00 € — ermäßigt 13,00 €

Karten und Reservierungen hier

Einlaß: 18.00 Uhr
Freie Platzwahl

Essen und Trinken
Wir bieten bei unseren Veranstaltungen neben Wasser, Softdrinks und Sekt stets eine Auswahl beliebter Winzerweine an.
Für den kleinen Hunger gibt es tapas und diverse andere Snacks.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Kulturtage Wiesbaden-Sonnenberg 2016